Testbericht Judge FR


Testbericht Cannondale Judge FR Mein Ziel war es einen Singletrail- und Uphilltauglichen Hardcore-Freerider aufzubauen und doch bei der Qualität und Haltbarkeit der Komponenten keine Kompromisse einzugehen.

Der Rahmen samt Roco TST R Dämpfer bekam von mir - anstatt der mitgelieferten 888 VF - eine Marzocchi 888 RCV mit 200mm Federweg, ein fettes Truvativ Howitzer Innenlager sowie eine Truvativ Hussefelt Kurbelgarnitur mit 36/24 Kettenblättern und Bashguard spendiert.
Die neue Formula Oro Bianco mit der 220mm Scheibe vorne / 200mm Scheibe hinten, Mavic EX729 Felgen mit den bewährten Big Betty 2.4" Freeride-Reifen von Schwalbe, Hope und Ringle Nabe, SRAM X-9 Schaltung sowie FSA Steuersatz und die NC-17 Sudpin 2-Pro Hardcore Pedale runden das Bild ab.

Mit diesem Setup wiegt das Bike knapp 19,24 Kilo ... und zwar inclusive Pedale!!

In der Hand:
Optisch wirkt das Judge FR zunächst gar nicht so heftig ... sogar fast klein.
Der Rahmen in der Größe L entspricht in der Oberrohrlänge exakt einem Gemini Rahmen in M.
Trotz dem langen Radstand macht das Judge daher einen kompakten Eindruck.
Hat man das Bike in der Hand, so merkt man aber sofort die massive Bauweise des handgeschweißten Rahmens. Die fette Marzocchi Doppelbrückengabel und die wuchtige Dämpferanlenkung prägen das Erscheinungsbild des Bikes - ebenso wie der Roco TST R Dämpfer von Marzocchi.
Beim Aufsetzen macht sich - wenn das Judge FR soft in den Sag geht - direkt ein breites Grinsen im Gesicht breit: hier kann mir nix mehr passieren - egal was kommt!

Auf dem Trail:
Das Handling war mir bereits vom Judge DH bekannt ... aber es begeistert immer wieder: es ist erstaunlich wie wendig und agil das Judge ist!
Schnelle Singletrails mit engen Kurven und kleinen Kickern verleiten dazu, seinem Spieltrieb freien Lauf zu lassen und das Bike macht schlicht und einfach alles mit! Dank des superben Fahrwerks geniest man jede Wurzel und jeden Anlieger.
Während der ersten Airtime kommt es dann zum AHA-Effekt: hat das Bike von der Erde abgehoben, scheint es die Schwerkraft überwunden zu haben und fühlt sich in der Luft bemerkenswert ruhig und ausgewogen an. Die Massigkeit des Judge wandelt sich und das Bike liegt kompakt und gut kontrollierbar in der Luft.

Natürlich macht sich das Gewicht schon auch bemerkbar - doch das Bike lässt sich gut beschleunigen. Der Roco TST R Dämpfer bietet mit dem TST System eine fünffach-gerasterte Einstellungsmöglichkeit der Kompressionsdämpfung. Der Modus "CL" bietet mit maximaler Bremsung der Kompression quasi eine Art Lockout Stufe. Doch diese ist nur bei steilen Rampen wirklich notwendig - die Dämpferanlenkung eliminiert zuverlässig jedes Schaukeln.
Damit sind selbst steile Uphills ohne (zu starke) Schmerzen möglich. Das ist gut so, denn damit eignet es sich das Judge FR auch für Trails abseits von Bikeparks und Liftanlagen.

Downhill:
Wie könnte es auch anders sein: Das Judge mit 200mm vorne und 220mm hinten bügelt alles platt, was sich auch im Weg stellen mag!
Jedoch nicht im Sinne einer Walze, sondern durch sein sehr harmonisches und schluck freudiges Fahrwerk! Gabel wie Dämpfer sprechen super feinfühlig an und arbeiten mit hervorragender Dämpfung. Selbst dicke, quer liegende Wurzeln werden weg gesaugt.
Das Bike liegt satt mit beiden Reifen auf und wiegt den Piloten sicher ins Tal - da ist es wieder:
das breite Grinsen, das nicht mehr aus dem Gesicht will ;)

Fazit:
Es ist ein Bike für wirklich alle Fälle!
Das potente Fahrwerk verleiht jede Menge Selbstvertrauen und macht Hunger auf MEHR!
Wegen seiner enormen Reserven, seiner Spritzigkeit auf den Trails und seiner - trotz dieser Kampfklasse immer noch vorhandenen - Uphilltauglichkeit wird man das "bisschen" Mehrgewicht gerne in Kauf nehmen!
Wer das Judge FR gefahren ist, wird es nicht mehr her geben wollen!