Testbericht Nicolai Nucleon TFR


In der Hand: Das Nicolai Nucleon TFR ist allein schon wegen der Getriebebox ein Blickmagnet. Unwillkürlich möchte man sich die Augen reiben und "Was ist denn das?" ausrufen! Die durchgängig edlen Anbauteile, der goldfarbene Chris King Steuersatz und die ebenfalls in Gold gehaltenen Oro Puro Bremsen erhöhen den "Bling Bling" Effekt noch mehr. Dabei sieht das Bike angenehm aufgeräumt aus. Der hochwertige Nicolai Rahmen in Tarn-Grün vermittelt ein Gefühl der Sicherheit: hiermit kannst Du alles machen.

Beim ersten Aufsitzen fällt sofort das straffe und kompakte Fahrwerk auf. Mit seinen 16kg Kampfgewicht ist es erstaunlich leicht - die martialische Optik lässt mehr Pfunde vermuten.

An die Getriebeschaltung man muss sich erst gewöhnen: 14 Gänge sind mit einem Griff durchschaltbar! Der erste Gang ist extrem leicht und ich freute mich sofort auf den ersten fiesen Anstieg. Doch bis dahin verführt die Schaltung zum Durchtesten: rauf - runter, rauf - runter...
Im Stand, während der Fahrt, beim Anstieg ... alles kein Problem. Nur beim Pedalieren fühlt sich der Schaltvorgang etwas hackelig an.
Also: kurz Füße still halten, Gänge durchschaltet ... und es kann locker weiter gehen!

Auf dem Trail:
Das Nucleon lässt sich prima beschleunigen - vor allem der Antritt im Stand bringt einen schnell nach vorne. Das Fahrwerk duckt sich nicht weg und die Kraft wird sofort in Vortrieb umgesetzt. Dabei lässt es sich leicht um Kurven zirkeln und lädt zum Tricksen ein. Schnelle, verwinkelte Singletrails machen mit dem Nucleon somit enorm viel Spaß!

Eine erste schnelle Drop-Session in der Stadt bestätigte den ersten Eindruck: das Nucleon ist schnell und wendig, bietet einfaches Handling und ist verspielt. Beim ersten Drop über 5 Stufen krachte es dann: Dämpferdurchschlag!
OK - vor dem Ausritt ins Gelände wird dem DT Swiss SSD Dämpfer ein höherer Luftdruck spendiert, dann sollte es passen...

Leider Fehlanzeige!
Laut Bedienungsanleitung sollte der SSD in der 190/210mm Ausführung zwischen 10 - 18mm negativ Federweg haben. Wir haben mit Einstellungen zwischen 10 und 16 bar experimentiert. Der Negativfederweg lag dabei bei ca. 10mm. Durchschläge sind zwar nicht mehr aufgetreten ... allerdings rauschte das Fahrwerk selbst bei kleinen Hopsern durch den ganzen Federweg.
Wo sind da die Reserven für größere Sprünge?

Beim Downhill:
Auf verblockten Wurzelpassagen fühlte sich die Luftfederung unangenehm straff an.
Sowohl die FOX 36 Talas RC2 als auch der DT Swiss SSD Dämpfer haben ein sehr hohes Losbrechmoment und bieten damit wenig Komfort.

Bei Sprüngen war die Federung dann wieder sehr angenehm: Die Gabel und der Dämpfer arbeiteten sehr souverän und kontrolliert. Den nächsten Sprung - so denkt man sich - kann man mit noch mehr Speed nehmen!

Beim Downhill dann wieder das "Rumpel-Gefühl" wie auf den Wurzeln. Das Bike wird sehr unruhig und die Abfahrt wird zur Zitterpartie ...
Doch zum Glück sind die hervorragenden Oro Puro Bremsen verbaut! Bei jeder Fahrsituation kann man sich auf die Stopper verlassen - ein angenehmes Surren kündigt den bevorstehen Halt an!

Fazit:
Keine Frage: das Nicolai Nucleon ist der Hingucker!
Ein sehr schöner Rahmen, das Getriebe bietet ein breites Spektrum und lässt sich - nach kurzer Eingewöhnungszeit - angenehm schalten.
Die Übersetzung entspricht ungefähr einem zweifach Kettenblatt:
gut zu beschleunigen, ohne "hohe" Gänge - aber schnell genug ;)
Aufgefallen ist uns ein gewisses "Schabgeräusch" in den Gängen von 1 bis 7... wir vermuten das dies kontruktionsbedingt ist.

Insgesamt sollte man ein genaues Auge auf das Setup haben.
Je nach Einsatzgebiet sollte eine andere Gabel und ein anderer Dämpfer eingebaut werden.
Nicolai gibt für das Nucleon TFR den DHX 3.0 an - sicher die bessere Wahl!