Testbericht - Marzocchi 888 RCV


In der Hand: Oh Mann - ist die FETT !!! Trotzdem dem schicken, weißen-roten Outfit wirkt die 2008-er 888 wesentlich massiver und derber als noch die 2007-er Gabeln. Auf den zweiten Blick erschließen sich dann die feinen Details der DH-Lady: da ist zunächst einmal die veränderte Führung der Bremsleitung, die nun an der Vorderseite entlang führt und eine geschraubte Klemmung bietet. Dann sind die Knöpfe aus gefrästem Alu und schön griffig - das macht insgesamt einen sehr hochwertigen Eindruck. Das Casting wurde ebenfalls überarbeitet: der Steg der Standrohre wurde verstärkt, aber auf der Rückseite ausgefräst, was zusätzliches Gewicht einspart.
Auf dem Trail: Das Marzocchi-typische sehr weiche Ansprechverhalten hat sich auch 2008 nicht geändert. Im Vergleich zum Vorjahresmodell spürt man aber sofort eine deutlich höhere Progression. Wir haben versucht die Gabel aus der Reserve zu locken - nix! Die RC3 gibt nicht nach! Nach mehreren erfolglosen Versuchen die Gabel aus dem Stand über 15cm eintauchen zu lassen, gaben wir schweißgebadet auf... Was ist da los? Zunächst gingen wir von dem Setup aus - aber auch bei vollständig rausgedrehtem Preload, ohne jede Low- und High-Speed-Compression lässt sich die RC3 nicht über 15 cm einfahren.

Nun wollte ich es wissen und bin zum MTB-Store gefahren, um die Gabel zu prüfen und mir genau erklären zu lassen, wieso die Gabel so hart ist: dabei hat sich gezeigt, dass auf der Compressionsseite - also Links - alles super funktioniert. Jedoch die rechte Federseite lässt sich kaum komprimieren!
Offensichtlich ist das Setup ab Werk für deutlich schwerer Fahrer und richtig hartes Gelände ausgelegt. Leichtere Fahrer werden zunächst enttäuscht sein, da sie von 200mm nur 150 effektiv nutzen können.

Apropos hartes Gelände: die Gabel bügelt ALLES platt, was sich in den Weg stellt!!
Erst durch einen Sprung mit richtig harter Landung habe ich es geschafft die Gabel zu 17cm Einfederungtiefe zu "überreden"!
 
Fazit:
Keine Frage: auch 2008 ist die 888 eine Referenz in Sachen DH-Forke!
Diese Position macht sie für mich auch mit dem etwas zu harten Grundsetup deutlich.

Allerdings ist das für mich der falsche Ansatz:
Die Gabel ist derart progressiv, das sich die vielfältigen Einstellmöglichkeiten überhaupt nicht nutzen lassen. Weder die Vorspannung, noch die High-Speed-Compression lassen sich für das Setup verwenden. Damit wird der Einsatzbereich der Gabel viel zu sehr eingeschränkt und die Optionen verkümmern zu überflüssigen Featuren.
Wir denken, dass es besser wäre, wenn das Grundsetup mehr "in der Mitte" läge - so dass sich über das Setup mit High- und Low-Speed-Compression, Vorspannung und Rebound ein breites Einsatzfeld konfigurieren und die Gabel sich dem persönliche Fahrstil anpassen lässt.

Wir haben erstmal weichere Federn bestellt...
Wahrscheinlich werden wir dann sehen was die Gabel wirklich zu bieten hat!

Tuning: 2008 muss ein wildes Jahr im Bikemarkt gewesen sein! Ganze 3 Monate mussten wir auf die Austauschfedern warten ... und um so gespannter waren wir, was eine weichere Feder aus der RC3 herauslocken kann! Nachdem endlich die Lieferung eintraf, machten wir uns an den Umbau. Soviel vorweg: es ist ganz einfach und schnell getan!

So ein Umbau muss nicht unbedingt von einem Fachmann durchgeführt werden - dennoch sind einige Dinge zu beachten:
so befindet sich z.B. unter der roten Kappe des Preloads eine kleine Feder mit Kugel, die für die Rasterung zuständig ist. Sie ist nur mit ein wenig Fett "geklebt" und kann leicht wegfallen. Die Abschlusskappe des Rohres hat ein Feingewinde und sollte daher vorsichtig ein- und ausgeschraubt werden.
Zudem steht der Deckel unter einem gewissen Druck, so dass diese beim Abnehmen wegspringen kann und man beim wieder aufsetzen etwas Kraft braucht, bis das Gewinde greift.

Was bringt es? Ich habe mir etwas Zeit gelassen, diesen Bericht zu aktualisieren ... ich wollte erst genügend Erfahrung mit der "neuen" 888 RC3 sammeln... Wieso neu? Weil die Gabel wie neu war, denn das Federungsverhalten hatte sich radikal verändert! Mit den weichen Federn machten die ganzen Knöpfchen und Einstellschrauben plötzlich Sinn. Die Gabel entwickelte eine ungeheure Performance, selbst fies verblockte Passagen wurden souverän von der Gabel weggeschluckt. Ich mag weiches Ansprechverhalten und den Rebound langsam ... beides lässt sich sehr feinfühlig an der Gabel einstellen. Sämtliche Bereiche (Low- und HighSpeed Compression, Rebound, Preload) haben einen weiten und wirksamen Einstellbereich. WOW ... das für eine tolle Technik!!! Das ist eine echte DH-Racing Gabel. Da ist alles drin!