Testbericht - Marzocchi 888 RCV


In der Hand: Die 888 wirkt rein optisch schon mal sehr fett. Die Doppelbrücke gibt direkt Vertrauen - hiermit kann kaum noch was schief gehen. Dabei ist die Gabel im Grunde doch recht graziös und edel ... eine echte Italienerin eben ;) Beim ersten Anfassen spürt man sofort das Marzocchi typische butterweiche Ansprechverhalten. Von Losbrechmoment kann da überhaupt keine Rede sein. Das bedeutet aber nicht, dass die Gabel weg sackt oder nix einstecken kann - das Gegenteil ist der Fall. Die 888 reagiert einfach sehr sensibel. Wie sensibel ... das lässt sich individuell einstellen!
Auf dem Trail: Alle Vorurteile haben sich bestätigt: Die 888 liegt satt auf, reagiert sensibel auf Unebenheiten und lässt sich auch bei wilden Ritten über grobes Gelände nicht aus der Ruhe bringen. Die Gabel macht einfach alles mit. Zuerst hatte ich schon Bedenken, dass ich mit der 200 mm Federweg Forke am Berg Probleme kriege ... sei es, das sie einfach zu hoch baut, oder das die softe Federung zu einer Wackelpartie wird. Aber nichts davon ist eingetreten. (siehe unten). Ich bin die 888 RCV nun ein gutes 1/2 Jahr gefahren und hatte nie Probleme. Auf den heimischen Trails lässt sich die Lady sowieso nur auf bestimmten Strecken richtig "ausfahren" ... doch man ist immer froh sie dabei zu haben!

Der ultimative Test war dann die Teilnahme am Megavalanche!
Das Gelände in Alpe D´Huez ist sehr extrem. Ich habe erstmal eine Weile gebraucht, um - für die dortigen Verhältnisse - das für mich richtige Setup zu finden - lieber etwas weicher ... oder doch härter?
Nachdem ich in verschiedenen Situationen (auf Geröll, auf Schnee, in den Serpentinen im Wald) mit der Compression rum gespielt habe, habe ich doch schnell gemerkt, wie ich die Gabel einzustellen habe: ein bisschen härter als zuhause und gut gedämpft - das war mein Setup, mit dem ich dann die Qualifikation und die Mega gefahren bin!

Fazit:
Auf den heimischen Trails ist die 888 die absolute Macht. Für eine DH-Gabel mit 3,2 kg noch relativ leicht (oder erträglich schwer ... je nach dem halt. Wir sagen immer: man gewöhnt sich dran - dann merkt man es nicht mehr! ;). Federung und Dämpfung funktionieren perfekt! Die Progression ist gut über die Compression einstellbar.

Auf der Mega konnte - nein musste! - die Gabel zeigen, was sie drauf hat!
Die Anforderungen wechseln mehrfach während dem Rennen (Geröll, Schnee, Wiese, Wald/Wurzeln) und das Gelände verzeiht keine Fehler! Ich glaube niemand nimmt sich die Zeit, um während der Abfahrt kurz anzuhalten, um an dem Gabelsetup rum zu schrauben ... brauch man auch nicht! Man muss nur das für sich richtige Setup einstellen und kann dann die Trails abjagen! Mit der 888 kein Problem!

Tuning: Die Bauhöhe: Ab den 2006-er Modellen wurde die obere Gabelkrone wesentlich flacher ausgearbeitet, so dass die 888 selbst mit ihrer Einbauhöhe von 585 mm (20 mm weniger als bei den vorherigen Modellen) nicht zu hoch ist. Federung: Die Federung kann dank der externen Druckstufe super auf den jeweiligen Fahrstil und die persönlichen Vorlieben eingestellt werden. Selbst bei Bergauffahrten stört das weiche Ansprechverhalten kaum. Die Gabel sinkt in den Sag und wartet auf den nächsten Einsatz. Erst wenn man stark an der Gabel zieht oder in den Wiegetritt geht merkt man wie die Gabel sich wegduckt. Setup: Ich habe die Gabel lieber etwas steifer und drehe daher die Compression ca. 3-4 Umdrehung rein Aber das ist auch vom jeweiligen Gelände abhängig. Bei eher leichteren Strecken lasse ich die Gabel weich ... und bevor es richtig zur Sache geht, dreh ich einfach + schnell die Compression rein - fertig.

Ab Werk befindet sich 7.5-er Öl in der Gabel - das ist für Fahrer bis ca. 80 kg optimal.
Allerdings war mir (78 kg) die Dämpfung nicht ausreichend - aber das ist Geschmackssache, vom Fahrstil und eben vom Gelände abhängig!
Ich habe mir jedenfalls vom Marzocchi Service Center die Gabel mit dem 10-er Öl tunen lassen.
Damit ist für mich der Verstellbereich der Dämpfung optimal nutzbar!
Ich mag es, wenn die Gabel gut gedämpft ist - also nicht zu schnell aus der Compression kommt.
Gerade auf steilen und verblockten Strecken schätze ich die Einstellmöglichkeiten der 888 RCV!