3. Tag


28.07.2005: Heute fahre ich früh auf den Gipfel des Pic Blanc hinauf, um mir den ersten Teil der Megavalanche-Piste anzuschauen. Auf dem Plateau in 3330 Metern Höhe empfängt einen ein scharfer Wind und der Blick hinunter auf die Strecke über den Gletscher und Schneefelder haucht einem erst mal ordentlichen Respekt ein.
O.K. hier soll´s dann also runter gehen.... Alleine oder in kleineren Gruppen ist das ja bestimmt noch ganz nett, aber im Sprint mit 1.000 anderen Bikern??? Aufgrund des sehr warmen Sommers ist der größte Teil des Schnee- und Eisfeldes geschmolzen, was wieder mal eine sehr grobe Geröllpiste freilegt. Auf diesem losen Untergrund und dem Gefälle ist eine gute Bikebeherrschung gefragt. Mit ein paar Finnen stürze ich mich hinab.
Über das Schneefeld geht es weiter hinunter Richtung Eisplatte, wo einen die nächste Überraschung erwartet. Ja, man kann gut auf dem Gletschereis fahren, denn die Oberfläche ist nicht spiegelglatt, sondern leicht porös und mit feinen Steinchen durchsetzt, so das richtig „Grip“ aufgebaut wird. Klar, zieht man zu kräftig an der Bremse, rutscht man weg. Aber ich bin verwundert, wie gut man dennoch darüber fahren kann. Doch man sollte sehr konzentriert sein, denn das Schmelzwasser des Gletschers hat bis zu zwei Meter tiefe Rinnen in die Eisfläche gefräst und passt man einen Moment nicht auf, kann es passieren dass man in so eine Rinne fällt. Doch manche Biker lassen sich nicht davon abhalten Bunny Hops über diese Rinnen zu machen. Andere Fahrer geraten aber aufgrund der Rinnen in Panik und bleiben teilweise minutenlang hilflos suchend stehen, bis sie wieder Mut gefasst haben, um einen Weg von der Eisplatte zu finden. Andere Fahrer helfen ihnen dabei, indem sie ihnen zurufen, wo der Weg am sichersten scheint. Die Stimmung ist schon sehr speziell und faszinierend. Man hat das Gefühl, wirklich ein Abenteuer zu erleben... Nach dem Eisfeld geht es über extrem verblockte Felstrails weiter Richtung Alpe D’ Huez. Hier sind Mut, eine flüssige Fahrt und sehr gute Fahrkünste gefragt. Immer wieder trifft man auf Biker, die ihre Räder reparieren müssen. Abgerissene Schaltwerke, gerissene Ketten und jede Menge platte Reifen gehören zu den häufigsten Pannen. Außerdem sitzen immer wieder Fahrer am Streckenrand, die einfach aus Erschöpfung – mental wie auch körperlich – eine Pause einlegen müssen. Die dünne Höhenluft fordert eben ihren Tribut ! Kurz oberhalb von Alpe D’ Huez mündet die „Piste Megavalanche“ in den schon bekannten Freeridetrail „Chemin de la Piste de Bob“. Hier kann man (endlich) wieder Vollgas geben bis hinunter ins Dorf ! Den zweiten Teil der Mega-Piste hebe ich mir für den nächsten Tag auf.