Qualifikation


30.07.2005: In der Nacht hat es noch einmal kräftig geregnet und das lässt nichts Gutes erahnen. Wir machen uns gegen acht Uhr morgens auf zur Gondel, um auf den Dome des Petites Rousses zum Start der Qualifikationsrennen zu gelangen. Es werden 6 Gruppen zu je 200 Fahrern, sowie eine Gruppe nur für die Frauen in 20-minütigen Abständen gestartet. Die besten 50 aus jeder Gruppe dürfen dann zum Hauptrennen des Megavalanche in der ersten „Welle“ starten. Erfahungsgemäß sind dass meistens die Lizenzfahrer und Ex-Profis. Die erste Gruppe macht sich zum Start bereit. Der Helikopter mit dem Kamerateam umkreist den Gipfel und wartet, das Gerorge Edwards, der Gründer des Megavalanche, das Startzeichen gibt. Endlich: Start !
200 adrenalindurchtränkte Mountainbiker stürzen sich auf der Schotterpiste in die erste von vier Spitzkehren. Mann gegen Mann und ohne Rücksicht auf Verluste. Ketten reißen, Schaltwerke quittieren ihren Dienst oder werden beim Vollkontakt mit den Gegnern abgerissen. Die ersten Fahrer verbremsen sich, stürzen. Das Feld zieht sich so langsam in die Länge und verschwindet hinter der nächsten Bergkuppe. Jetzt weiß ich, was bald auf mich zukommen wird. Ich bin in der dritten Startgruppe und aufgrund meiner Startnummer werde ich auch relativ weit vorne stehen. Hinter mir noch gut 150 wilde Stiere – nein Mountainbiker..... Endlich, wir sind dran. Ich nehme in der dritten Startreihe Aufstellung und meine Taktik ist jetzt schon klar. Ich suche mir schnell eine Außenlinie und versuche mich aus den Scharmützeln herauszuhalten. Schließlich ist das Rennen lang und um zu gewinnen muß man erst mal ankommen.
Start ! Eine Woge aus Fahrrädern und Menschen setzt sich katapultartig in Bewegung. Getreu meiner Taktik halte ich mich ganz außen und versuche heil davon zu kommen. Nach den ersten vier Kurven hat sich das Feld dann schon etwas verteilt und man begibt sich auf das große Geröllplateau und über das Schneefeld. Hier stehen schon die Ersten und versuchen hektisch die Reifenpannen zu flicken. Auf der folgenden Schotterpiste kann man gut Speed machen und bis zum Einstieg in den steinigen Singletrail kann man gut ein paar Plätze gewinnen. Das ist wichtig, denn auf dem Trail lässt es sich nur mit viel „good will“ der anderen Biker überholen. Doch man muß sagen, das Fair Play hier noch groß geschrieben wird.
Man fährt an Fahrern vorbei, deren Schaltwerk am Fahrrad herunterhängt oder die versuchen mit plattem Hinterrrad noch wenigstens bis nach Alpe D’ Huez zu kommen. Eins ist klar, dieser Kurs fordert viele Opfer, von Mensch und Material.... Nach ca. 6 Kilometern führt die Strecke über eine schräg abfallende Felsplatte und mündet dann in einen weiteren schmalen Singletrail. Hier stehen viele Zuschauer, und wollen sehen, wer die Schlüsselstelle mit Bravour nimmt.
Bei Alpe D’ Huez kommt dann auch der erste längere Gegenanstieg. Mittlerweile steht die Sonne hoch am Himmel und lässt viel Schweiß an den Körpern der Biker herunterlaufen. Die meisten Biker mit den fetten Downhillmaschinen versuchen erst gar nicht den Anstieg hinaufzufahren, sondern schieben ihre Räder mühsam den Berg hoch. Manche nutzen auch die Zeit für einen Plausch mit den Mitstreitern. Oben angekommen, heißt es wieder „Kette rechts“ und weiter abwärts Richtung Oz en Oisins. Hier haben sich auch schon erste Gruppen gebildet, die sich nun gegenseitig „ziehen“. Das heißt, mal macht der eine der Gruppe die Pace, mal der andere. So spart man etwas Kraft und Konzentration. Dann geht es in den Wald von Sardonne und hier geht die Strecke in ein Serpentienenlabyrinth über, das sich gewaschen hat. Kurve um Kurve reiht sich hier aneinander. Immer wieder durchsetzt von groben Wurzelwerk und dicken Felsbrocken. Dieser Teil der Strecke erfordert vollste Konzentration und beste Bikebeherrschung. Nachdem man diesen Part hinter sich gebracht hat, geht es über einen flowigen Waldtrail weiter bis hinunter nach Oz, dem Ziel der Qualifikation. Mittlerweile werden die Letzten der vorherigen Gruppe von den ersten der als nächstens gestarteten Gruppe eingeholt. Vollkommen erschöpft aber froh heil angekommen zu sein, fährt man unter dem Applaus der Zuschauer ins Ziel. So viel ist klar, dass Qualifikationsrennen hat schon sehr, sehr viel Spaß gemacht. Die Ergebnisse der jeweiligen Rennen werden später am Abend in Alpe D’ Huez bekannt gegeben. Zufrieden lässt man sich erst per Busshuttle und dann weiter mit der Gondel nach Hause bringen.