The Big Day!


31.07.2005: The Big Day! Schon früh am morgen geht es wieder mit der DMC hinauf zum Start des Megavalanche. Hier im „Promo-Feld“, also den Profis, findet man so bekannte Namen wie Tomas Misser aus Spanien, Samuel Peridy aus Frankreich, Manfred Stromberg aus Deutschland oder Daniel Soler aus der Schweiz. Überhaupt sind hier Fahrer aus den USA, England, Finnland, Portugal, Spanien, Schweden, Polen, Italien, Österreich, Deutschland, der Schweiz, Monaco, Luxemburg, Belgien und Holland am Start. Die amerikanische Bikeschmiede Brooklyn Machine Works ist extra mit dem Werksteam aus den USA eingeflogen. Das zeigt, welchen Stellenwert der Megavalanche nicht nur bei den Hobbybikern genießt. Das Promo-Feld stürzt sich aufgrund der großen Teilnehmerzahl schon ca. 1 ½ Stunden vor dem Hauptfeld ins Tal. So bekommt man auch noch am Start mitgeteilt, wer denn bei den Profis gewonnen hat – der junge Franzose Jerome Clemenz hat dem Schweizer René Wildhaber, der dieses Rennen schon mehrfach gewonnen hat, diesmal den Rang abgelaufen. Der arme René kommt als 245. von Defekten geplagt abgeschlagen ins Ziel.
Dann sind wir endlich am Start. Diesmal ist das Startgetümmel nicht ganz so hektisch, wie bei der Qualifikation. Wahrscheinlich deswegen, weil man sich bewusst ist, was einem sonst noch bevor steht und zu anderen, weil hier die Startpiste auch noch einmal etwas steiler ist.
Aufgrund des sehr heißen Sommers ist hier oben doch ein Grossteil des Schneefeldes geschmolzen. Dennoch gibt es einige Passagen die mit sulzigem Schnee bedeckt sind. Hier sieht man immer wieder Fahrer ausrutschen und stürzen. Meist kommen sie glimpflich davon. Dafür fordert das anschließende Steinmeer seinen Tribut. Hier sieht man jede Menge Fahrer stehen, bei denen die Defekthexe zugeschlagen hat. Die Zahl der geplatzten Reifen ist mittlerweile unüberschaubar geworden. Hier passieren auch die ersten ernsthaften Stürze und manch ein Fahrer scheidet verletzungsbedingt aus. Ich habe Glück. In dem Augenblick wo mein Vorderrad plötzlich versetzt und ich drohe, über den Lenker zu gehen werde ich von einem korpulenten Franzosen überholt. Dessen Rücken nehme ich quasi als eine art Airbag und der Rückschlag befördert mich wieder in den Sattel. Lachend rufe ich ihm ein „Merci Mon Ami“ zu. Dann geht’s weiter in den schwierigen und mit hohen Absätzen durchzogenen Singletrail. Immer wieder steigen Fahrer von ihren Bikes getreu dem Motto „Lieber schieben statt fliegen“. Somit zieht sich das Feld wie ein Lindwurm an der Bergflanke entlang hinab ins Tal. Nach einigen Kilometern verbreitert sich die Strecke wieder und gelöst kann man nun wieder Kette geben. Schnell verliert sich das Feld auch wieder ein wenig und man kann seinen eigenen Rhythmus aufnehmen.
Über einen Wiesenhang geht es dann hinab durch Alpe d’ Huez, wo das Feld von den Zuschauern begeistert angefeuert wird. Das gibt den Fahrern noch einmal zusätzliche Motivation. Hinter dem Ort, auf dem folgenden Flachstück, kann man sich etwas erholen und das Rad entspannt laufen lassen. Manche aber versuchen hier auf ihren leichteren Endurobikes Plätze gut zu machen und ziehen an ihren Konkurrenten mit den schweren Downhillbikes entspannt vorbei.
Aber dann heißt es für alle – Uphill-Alarm ! Eine schwere Steigung kostet den Fahrern weitere Körner. Die Streckenposten helfen einigen Bikern, die schon offensichtliche Konditionsprobleme haben, ihre Räder bergauf zu wuchten. Nun sieht man am Streckenrand auch immer wieder Teilnehmer, die sich eine Pause gönnen, weil die Strecke nun gnadenlos ihren Tribut fordert. Der folgende Trail führt an einer steil abfallenden Hangkante entlang. Hier sollte man keine gröberen Fahrfehler machen. Nicht umsonst steht auf halber Strecke ein kleines Holzkreuz.... Auch hier ist das Überholen nur mit Kooperation des Konkurrenz möglich.
Danach öffnet sich der Weg wieder etwas und man fährt in einen Wiesenhang, in dem sehr schöne Naturanlieger den Fahrern richtiges Achterbahnfeeling vermitteln. Am Ende dieses Hangs gelangt man an den Ort Villard Reculas. Die Bewohner applaudieren dem Feld begeistert hinterher. Nach einem kurzen Stück auf Asphalt geht es in einen Wald wo die Strecke in einen Hohlweg mündet und hier könnte man mit viel Flow richtig Gas geben. Leider machen einem die kurzen steilen Gegenanstiege einen Strich durch die Rechnung, denn hier staut sich das Feld wiederholt. Das kostet Zeit und Kraft. Aber nachdem die letzte Rampe genommen ist kann man wieder ordentlich Kette geben. Bis auch dieser Kurs sein Serpentinengewirr offenbart. Hier glühen die Bremsscheiben und so mancher Fahrer bekommt hier eine Lektion in Sachen Kurventechnik. Aber oft geraten die Biker aus ihrem Rhythmus und müssen absetzen, sich sammeln und wieder ihre Fahrt aufnehmen. Mittlerweile sind die meisten auch an ihrem persönlichen Leistungslimit angelangt. So sind auch weitere Stürze keine Seltenheit. Die letzten Kilometer führen die Fahrer über einen weiteren Waldtrail der einem nun wie auf einem Computerspiel vorkommt. Jeder mobilisiert hier noch einmal die letzten Reserven um noch die eine oder andere Position gut zu machen, doch nun mehren sich auch die Fahrfehler und so manche gewonnener Zweikampf wird in der nächsten Kurve wieder verloren. Auf dem Campingplatz von Allemond hat das Leiden ein Ende. Völlig erschöpft erreichen die übriggebliebenen Fahrer das Ziel. Man hat es endlich geschafft, ist froh, dass es vorbei ist und überlegt sich aber schon nach ein paar Minuten, ob man nächstes Jahr nicht doch wieder teilnimmt, am Megavalanche!