Samstag - Qualifikation


Nachdem ich donnerstags und freitags die Quali-Strecke und die Megavalanche-Strecke noch einmal abgefahren war, sollte dann am Samstag die erste große Entscheidung anstehen. Die Qualifikationsläufe für die Mega standen auf dem Programm. Und dieses Jahr war die Mega wirklich sehr gut besucht.

Kein geringerer als der 10-malige Weltmeister Nicolas Vouilloz, die nicht minder erfolgreiche Ann-Caroline Chausson, sowie die Atherton Brüder samt ihrer kleinen Schwester, Rene Wildhaber (5-facher Megavalanche-Gewinner), Manfred Stromberg, Jörg Heyd (Last-Chef), Emilienne Ragot und diverse andere Spitzen aus dem internationalen DH-Sport hatten sich für dieses Rennen gemeldet. So wurde dann auch das Schlendern durch den Startbereich am Dome des Petites Rousses zu einem Treffen der Who’s who des Geländesports!

Bei der Qualifikation werden jeweils 200 Fahrer in sieben „Wellen“ auf die 15 Kilometer lange Reise geschickt. Ähnlich wie bei der Formel eins sind die ersten Kurven die Verlustreichsten. Hier muss sich die Meute unter Full-Speed im Pulk arrangieren. Das gelingt mal besser mal schlechter. Oft gibt es hier schon die ersten Ausfälle – sturzbedingt oder weil das Material den Rammstoß eines Kontrahenten übel genommen hat und nachgab!
Nach dem Zieleinlauf der einzelnen Quali-Rennen, werden die Startplätze für den Megavalanche ermittelt.
Ich starte in der zweiten Welle und bin froh einen Platz auf der äußeren Linie zu haben. Hier tobt der Orkan in den ersten Kurven nicht ganz so wild und man hat dennoch die Chance viele Plätze gut zu machen – wenn man gut vom Start wegkommt!

Nachdem George Edwards, das Startprozedere erklärt hat und die berühmt berüchtigte Mega-Musik vom Band erklingt, ziehen die Starter die einzelnen Startbänder hoch und das Chaos bricht über einen hinein: 200 adrenalingetränkte Biker Treten in die Pedale als ginge es um ihr Leben. Lenker verhaken sich, Fahrer taumeln, einige Stürzen. Und was mache ich – ich habe einen miserablen Start, eiere um die Kurven und muss Fahrer um Fahrer ziehen lassen, während meine Wut im Bauch immer größere Ausmaße annimmt. Dennoch, es kann viel auf so einer Strecke passieren und man sollte nicht sofort den Kopf in den Sand stecken! Also, schnell dem Hauptfeld hinterher und hoffen, dass man noch einige Plätze gut machen kann. Auf dem Schneefeld und den groben Steinfeldern kann ich schon wieder etwas Zeit gut machen und komme dem Feld dank einer anderen Linie näher.
Nun geht es High-Speed über eine Schotterstrecke bis hinunter zur 2.Mittelstation, wo man kurz nach deren Passage in einen Steilhang mit Kindskopf großen Geröll-Serpentinen einbiegt. Hier nehmen auch weitere Fahrer Bodenproben. Der anschließende Trail über feuchten Wiesenboden und zwischen großen Felsen hindurch macht Spaß, ist aber auch fahrtechnisch anspruchsvoll! Immer wieder führt der Weg auch über große Steinplatten und durch kleine Bachläufe. Nachdem man eine Forststrasse erreicht hat, auf der man ein kurzes Stück entlang fährt, biegt der Weg wieder in einen wirklich souligen Singletrail, wo man noch mal richtig Speed machen kann.
Dieser Weg mündet in einen weiteren Trail, der sich zuerst über eine schräg abfallende Felsplatte und dann über weitere handtuchbreite Pfade Richtung Alpe D’Huez hinabschlängelt. Etwas oberhalb von Alpe D’Huez kommt dann die erste, fiese Steigung: zum Col Du Sardonne. Man kann hochfahren, aber in Anbetracht des mittlerweile akuten Sauerstoffmangels, schieben viele Fahrer mit dicken Bikes lieber das Stück hoch. Der folgende Serpentinentrail in den Wald von Sardonne und Richtung Ziel in Bessey en Osians schult dann auch noch mal die Kurventechnik der Fahrer. Im Wald selbst kann man es denn noch mal so richtig laufen lassen, bis man kurz vor dem Ziel von zwei heftigen Rampen und anschließenden Drops gebremst wird. Im Ziel angekommen, kann ich meinen Frust und die nur wenigen gut gemachten Plätze nicht verbergen. Ich will nach Hause und Nudeln essen!
Da der sonst sehr gut organisierte Shuttle-Service auch noch mit der Menge der Biker hadert, gebe ich mir noch eine zusätzliche Strafarbeit auf – per Bike die Strasse hinauf nach Oz en Oisans Station. Das ist gar nicht so wild, wenn man nicht gerade ein Rennen über 15 Kilometer in den Knochen hat. Egal, also weiter in die Pedale treten und schön den Berg rauf! Endlich in Oz en Oisans angekommen, nehme ich den vom Veranstalter bereit gestellten Massageservice gerne in Anspruch und ich kann es wirklich nur jedem empfehlen, der an dieser Veranstaltung teilnimmt. Man fühlt sich danach nur noch halb so fertig! Außerdem gibt es dann auch noch ein uriges Buffet zur Stärkung und diverse Getränke. So halbwegs wieder hergestellt kann man sich dann in die Gondel hinauf zur 1. Mittelstation setzen und von dort aus entspannt den Weg hinunter nach Alpe D’Huez nehmen. Das geht auf zwei Arten: entweder man nimmt die Fun-Strecke mit Anliegern, Drops und kleinen Tables etc., die direkt unter der Gondel herführt oder man nimmt die Freeride-Strecke die in einem sanften Bogen hinab nach Alpe führt. Ich wähle Letztere, weil sie auch noch einen kurzen Teil der Megastrecke beeinhaltet. Zu Hause ist dann erst mal die stabile Seitenlage gefragt! Schließlich muss man ja am nächsten Morgen früh für den Megavalanche fit sein !
Aber eines sollte man nicht vergessen – abends werden noch am Palais des Sports die Qualifikationsergebnisse bekannt gegeben und die wichtigen Marken für die Startaufstellung zum Megavalanche verteilt.