Mega Ladies (Verena)


Diese Nacht habe ich fast gar nicht geschlafen… Es ging für uns alle sehr früh raus. Der Andrang an den Gondeln war spektakulär. Wir wurden früh getrennt, da ich zu den Mädels musste und Frosti und Stefan auch jeweils in einem anderen Block starteten. Ich erhaschte einen Moment des Stillstandes beim Warten auf die nächste Gondel und suchte die Jungs auf um mich zu „verabschieden“, denn ich würde als nächstes nach der Megavalanche (den 250 Besten Jungs) an den Start gehen. Man konnte die Anspannung zwischen und in uns förmlich greifen. Dafür waren wir nun hier. Der Tag x war gekommen! Ab ging es mit den Mädels nach oben… eingepfercht wie Vieh in einer Gondel die uns auf 3300 Metern brachte. Oben war es kalt, doch das war mir egal… die Kälte ist das letzte was einem zu diesem Zeitpunkt beunruhigt. Die Mega Jungs standen schon in ihren Startreihen und zwei Hubschrauber kreisten um und über uns. Wahnsinn! Mein Name wurde aufgerufen und ich musste in meine Startposition. Krass!!!! Ich stand in der zweiten Reihe direkt hinter Antje Kramer und Hanna Hannah. Hanna hatte ich vor ein paar Tagen schon mal kennen gelernt und sie erkannte mich auch gleich und wünschte mir Glück. Jo... klar... danke... ich bleib an Dir dran.. haha.

Der Start der Männer war unglaublich… die Musik der Mega ist eigentlich eine Unverschämtheit! Man kann den Adrenalinspiegel einfach nicht höher Treiben als durch diesen ultra coolen Technosong. Doch nach dem Start der Männer gab es eine Verzögerung… Scheinbar hatte es einen Unfall gegeben. Für viele Mädels die Chance noch mal pinkeln zu gehen. Ich verließ meinen Posten für kein Geld der Welt… und hätte ich in die Hose machen müssen… ich hatte zu große Angst den Start zu verpassen… und das dann noch pinkelnd auf dem Klo! Auf einmal hörte ich etwas hinter mir eine mir so vertraute Stimme… es war Frosti der mir zu rief!!! Das war so ein super Gefühl!!! Auch wenn ich da zwischen all den Mädels ohne meine Jungs stand… so wusste ich doch, dass wir diesen Weg gemeinsam bestreiten würden… jeder eben zu einem anderen Zeitpunkt… aber unten würden wir uns alle wiedersehen.
Als dann auf einmal Mick Hannah oben wieder am Start stand und seiner Süßen zu rief, dass ihm nichts passiert sei, aber das Rennen für ihn gelaufen sei.. ging es nun endlich los. Der Megasong wurde gespielt und die Sicherungen knallen alle auf einmal durch. Die Birne ist nicht mehr zum denken da sondern nur noch als Anhängsel und zum tragen des Helmes. Ich hatte mir eine spezielle Technik ausgesucht um die steilen Schneehänge runter fahren zu können… so lag mein Bauch auf dem Sattel, die Füße standen neben den Pedalen auf dem Schnee zum bremsen und lenken und die Finger fest an den Bremsen. Den ersten Hang habe ich so auch prima bewältigt, doch, wie ich feststellen musste, viel zu langsam… die Mädels überholten mich reihenweise und ich kam nicht schneller vorwärts. Als mir dann eine noch zu rief „Hey… on your butt - it´s so funny“ schmiss ich mich auch in den Schnee. Das Bike seitlich vor mir geklemmt und Tatsache… ich rutschte auf dem Schnee dermaßen krass und schnell den Hang runter, dass es tatsächlich super lustig war. Unten angekommen hätte man fast sagen können „ich will noch mal!!!“.

Doch keine Zeit… man hat während des Rennens keine Zeit… Der obere Teil der Mega ist sehr steinig und nur ein kleiner Lenkfehler kann schlimme Folgen haben. Ich habe dieses Stück eher verhalten bewältigt und mich auf das Stück weiter unten verlassen… eventuell würde ich da Zeit wieder gut machen können. Doch das Pech ereilte mich auch hier… gleich zwei Speichen knallten an meinem Hinterrad durch. PENG! Eine Speiche verhakte sich auch noch in der Kette und ich musste tatsächlich anhalten und für einen Moment versuchen einen klaren Kopf zu bekommen, um diese Panne beheben zu können. Meine Hände zitterten, doch irgendwie bekam ich es hin, die Speiche so zu verbiegen, dass sie nicht mehr störte. Doch mein Hinterrad hatte eine fette acht und schleifte am Rahmen. Irgendwie war ich enttäuscht… ich hatte fast die Hälfte hinter mich gebracht und nun sollte mein Pony aussteigen müssen? So viel für das?! Ich sattelte wieder auf und sprach tatsächlich mit diesem Bike unter mir… „komm schon, wir schaffen das… wir fahren so weit wir kommen… und wenn ich dich ins Ziel tragen muss… WIR SCHAFFEN DAS!“. Und dann ging es einfach weiter… auf einmal war die Hälfte geschafft und mein Bike fuhr immer noch! Die untere Etappe wurde für mich gleich in mehrere… ich schaffe es bis dahin… wenn ich da bin, schaffe ich es auch bis dahin… und so weiter. Die Streckenposten staunten nicht schlecht als sie mich vorbei fahren sahen… mein Hinterrad purzelte aber immer noch fleißig mit! Und dann war da auf einmal dieses Ziel!!! Und auf einmal macht es klick und man schaltet diesen Kasten oben wieder ein und denkt… „das war's!?!?!?! DAS WARS!!!!!!!!!!! ICH HABS GESCHAFFT!!!!! YUHUUUUUUUUUUUUUU!“

Im Ziel war ich leer… ich brauchte nur ein freies Fleckchen Erde um mich hin zu setzen und auszuruhen. Ich stellte mir vor, wie mein Pony rauchte und wagte es nicht weder den Reifen noch den Rahmen zu begutachten. Nach ca. 10 Minuten sah ich zwischen all dem Menschengewirbel Frosti im Ziel. Super.. er hatte es auch geschafft und war genau so leer gepumpt wie ich. Genau an diesem Tag war der Geburtstag seiner kleinen Tochter! Bestimmt wird er ihr in ein paar Jahren schildern können, was er an ihrem 2. Geburtstag erlebt hat… Stefan kam auch nach einiger Zeit heile ins Ziel und dann wurde sich erst einmal ausgetauscht… wie war's, was hast Du erlebt, wie bist Du durch gekommen? Fragen über Fragen…

Doch selbst wenn ich diese Fragen hier wieder versuchen würde zu beantworten… so können sie doch niemals das schildern, was ich bzw. wir während dieser Tage und diesen zwei Wettkampftagen erlebt und durchlebt haben. Diese Leistung, sowohl körperlich wie auch und vor allem mental kann man nicht in Worte wiedergeben. Jeder verrückte Mountain Bike Fan… jeder der gerne etwas extremer Bergab fährt und auf der Suche nach einer absolut genialen Herausforderung ist… der sollte sich und sein Bike im kommenden Jahr für die Megavalanche 2008 in Alpe de Huez anmelden und sich diese Fragen stellen und danach selbst beantworten! Bis dahin bleiben sie ein Geheimnis… Das Team Frosthelm hat sich diesem Abenteuer gestellt und jeder von uns hat es auf seine eigene Art und Weise erlebt. Ich kann nur sagen, dass ich super stolz auf mich und mein Bike bin. Dass ich dankbar bin, dass mir bzw. uns nichts passiert ist. Und, dass ich mit den coolsten zwei Jungs einen solch geilen Trip in die Welt des Mountain Bikens erleben durfte. Mercy guys und "et voilá!"

Ach… und als Notiz am Rande… ich bin 25. geworden, mit einer Zeit von 1 Stunde und 39 Minuten, zwei gebrochenen Speichen, eine fette Acht im Hinterrad, eine Scheuerstelle am Rahmen und ein Reifen Muddy Mary mit Schleifspuren.
Aber nach dem erlebten… wen interessiert das schon? Mich jedenfalls nicht mehr…

DANKE TEAM FROSTHELM! =)