Landpartie


Das Bergische Land bietet für MTB eine Vielzahl von interesanten Trails

Das Mountain Bike Magazin veröffentlichte 2015 einen Artikel zum MTB-Spot Bergisches Land, mit vier Touren Vorschägen in der Region.
Dieser wurde nun kürzlich in der Magazin Wochenendbeilage des Kölner Stadtanzeigers zum Schwerpunkt-Thema MTB empfohlen. Die hier beschriebene Tour ist eine der dort beschriebenen Touren und basiert auf den ebenfalls dort zum Download verfügbaren GPS-Daten.

Birkenhöhe bei Moitzfeld

Als Startpunkt für die Tour hatte ich die Birkenhöhe, eine ruhige Nebenstraße am Ortsausgang von Moitzfeld, ausgesucht. Dieser bietet sich durch die nahe Autobahnausfahrt Moitzfeld geradezu an - maximal kurze Anfahrt und dadurch maximale Zeit auf den Trails.

Der französische Friedhof in der Hardt

Nach der ersten schönen Abfahrt in der Hardt gelangt man zum französischen Friedhof. Hier sollen im Jahr 1813 bis zu 4.000 Soldaten Napoleons beerdigt worden sein.
Das Schloss Bensberg wurde nach der französischen Besatzung im Jahr 1795 als Militärlazarett genutzt. Nach dem gescheiterten Russlandfeldzug kam das Lazarett an seine Belastungsgrenze und unter den geschundenen Soldaten brach eine damals tödliche Typhus-Epidemie aus.

Direkt hinter dem Kreuz verläuft der Trail weiter … jedoch war dieser aktuell durch Sturmschäden schwer verblockt und damit unfahrbar. Es empfiehlt sich daher dem kurz zuvor verlassenen Hauptweg in gleicher Richtung zu folgen.
Der österreichische Friedhof in der Hardt

Nur wenige hundert Meter weiter liegt der österreichische Friedhof. Hier sollen 1793 während der Revolutionskriege über 3.000 österreichische und preußische Soldaten in Massengräbern bestattet worden sein.
Die österreichische Armee wurde von den französischen Revolutionstruppen geschlagen und richtet ebenfalls im Schloss Bensberg ein Lazarett ein. Die meisten Soldaten waren an der Ruhr erkrankt, starben jedoch im Winter/Frühjahr an Typhus. Der Wald wuchs erst später über die langen Reihen der Gräber.

Schöne Waldautobahnen in der Hardt

Die meisten Streckenabschnitte in der Hardt sind von breiten Waldautobahnen geprägt, die sich entspannt durchrollen lassen. Das ist auch gut so, denn es stehen auf dieser Tour einige Bergwertungen auf dem Programm. Zudem ist dieser erste Teil der Tour perfekt um sich langsam warm zu fahren.

Ländliche Idylle in Kaltenbroich

Wenn man durch die ländliche Idylle von Kaltenbroich rollt, hat man bereits den erste Anstieg bezwungen. Acht weitere und größere Anstiege sollen noch folgen. Daran mag jedoch - angesichts der schönen Landschaft - noch niemand denken.

Hohlweg bei Oberlerbach hinauf nach Breite

Bei Oberlerbach geht es aber bereits diesen Hohlweg hinauf nach Breite. Dieser ca. 1km lange Anstieg zieht sich und bietet bis zu 10% Steigung auf. Man ist also gut beraten, seine Kräfte einzuteilen und nicht allzu voreilig seine Körner zu verschiessen.

Die Rochuskapelle aus dem Jahre 1684.

Oben angekommen sollte man sich diese kleine Kapelle aus dem Jahre 1684 nicht entgehen lassen. Die Rochuskapelle wurde zur Erinnerung an die im Jahr 1680 im Bergischen Land grassierende Pest errichtet. Unter den umstehenden, großen Bäumen lässt es sich gut rasten, um sich für die weitere Fahrt zu stärken.

Von hier aus geht es aber für die nächsten 2,5 km in einem großen Bogen bergab, in Richtung Dombach. Besonders auf den letzten 500 m wird es interessant. Nachdem man hinter Breite durch weite Wiesen gerollt ist, geht es wieder in den Wald und folgt dem Weg. Dieser ist zunächst breit und flowig, wird aber zunehmend schmaler, steiler und ausgesetzter.
Am Ende ist Vorsicht geboten: der Trail endet direkt auf dem Gehweg an der Landstraße!

Download der GPS-Daten über die Website des Moutain Bike Magazins.

Das alte Freibad von Herrenstrunden

Am alten Freibad von Herrenstrunden, aus dem Jahre 1934, verlassen wir kurz die Hauptstraße, um den Ort über kleine Nebenstraßen zu durchqueren.

Die Quelle der Strunde

Am Ortsausgang - kurz nachdem man die Hauptstraße an der Malteser Kontorei nochmal überquert - findet sich auf der Höhe eines kleinen, aber knackigen Anstiegs die Quelle der Strunde. Wer den Anstieg vermeiden möchte, der kann auch der vielbefahrenen Kürtener Straße folgen.

Abzweig auf den Wanderweg A4 (rechts im Bild)

Nach wenigen hundert Metern queren wir die Kürtener Straße erneut und biegen auf den Wanderweg A4 (rechts im Bild) ab. Nun folgt der mit bis zu 8% Steigung ebenfalls knackige Aufstieg nach Spitze.

harter Anstieg durch Strumschäden am Steeger Berg

Nach kurzer Abfahrt von Spitze nach Höve wartet am Steeger Berg mit bis zu 15% ein harter Anstieg auf uns. Der durch Sturm und Wiederaufforstung zerstörte Weg macht es nicht eben leichter diese Rampe zu erklimmen. Dagegen sind die knapp 10% hoch von Biesfeld hoch nach Scheid fast Erholung. Wir haben zwar noch nicht ganz die Hälfte der Strecke, aber zumindest die höchste Erhebung geschafft.

Wegemarkierung des Bergischen Panoramasteigs

Doch all die Mühen während den Anstiegen werden mehr als belohnt. Auf den Höhen bieten sich großartige, weite Panoramablicke über das Bergische Land …

Ein schmaler Singletrail in einem Nadelbaum-Wald

… und in den Tälern folgt man oft schmalen Singletrails durch menschenleere Wälder. Mal durchquert man einen dunklen Nadelbaum-Wald, mal einen lichtdurchfluteten Laubwald.

Schon jetzt wird klar, dass es sich lohnt die üblichen Trails zu verlassen und das weitere Umland zu erkunden.

Alte Brücke in Georghausen auf dem Weg zum Golfclub

In Georghausen wandelt man erneut auf historischen Pfaden, wenn man die alte Brücke zum gleichnamigen Golfclub passiert. Hier kann man es noch locker angehen, bevor es in den Anstieg nach Schmitzhöhe und weiter auf den Leienberg geht. Besonders der erste Teil kostet mit bis zu 11% Steigung wieder einige Körner.

Ein mit Wurzel und Stufen gespickter Singletrail.

Man sollte aber nicht glauben, dass diese Tour nur für Lycra tragende Radfahrer wäre. Mitunter findet man sich plötzlich auf Abfahrten wieder, die mit kleinen Kickern, Wurzeln und Stufen gespickt sind oder über einen nur lenkerbreiten Grad steil bergab führen. (Klick auf das Bild zeigt weitere Bilder in der Galerie)

Abzweigung oberhalb von Brombach

Kurz vor Brombach überquert man die Sülz über eine Brücke. Hinter den Bauernhöfen führt der Wanderweg etwas versteckt über die Terrasse eines Wohnhauses und dann mit bis zu 13% über eine große Wiese steil bergauf.
Man sollte sich rechts am Waldrand entlang orientieren und gelangt so zu dem Abzweig der Wanderwege A3 und A1. Wir folgen dem Wanderweg A3 weiter bergauf (auf dem Bild links).

Sturmschäden im Wald von Voiskülheim

Der weitere Verlauf dieses Streckenabschnittes ist oft durch Sturmschäden verblockt und zwingend immer wieder zum Tragen und auch zu Umfahrungen.
Wenn man auf den neu angelegten, breiten Weg stößt, empfiehlt es sich diesem weiter nach oben zu folgen. Unterhalb von Voiskülheim gelangt man zurück auf den Track, indem man der Straße linkerhand bis zur nächsten Rechtskurve folgt und links - kurz vor der Sitzbank -  zurück auf den versteckt liegenden Trail fährt.

Manchmal kommt das Schlimmste zum Schluss: der Aufsteig nach Moitzfeld stellt sich mit einer Rampe von bis zu 16% Steigung in den Weg. Zum Glück lässt sich die breite Schottertrasse ganz gut fahren und die Reifen finden genügend Gripp. Hat man erst einmal die ersten Häuser von Moitzfeld erreicht, ist es überstanden und geht es fortan gemütlich über Nebenstraßen zurück zum Ausgangspunkt.

Fazit:
Während die bekannten Hotspots der Szene überlaufen und die dortigen Trails überstrapaziert werden, finden sich im Hinterland allerfeinste, menschenleere Singletrails in allen Schwierigkeitsstufen. Es lohnt sich also in mehrfacher Hinsicht den Blick über den Tellerrand zu werfen, die gewohnten Pfade zu verlassen und auf Erkundungstour in weitere Umland zu gehen. Man entlastet nicht nur die oft überfüllten Strecken, sondern kann viele interessante und abwechslungsreiche Strecken kennenlernen.