#Festive500


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Rapha | Festive 500

Weihnachten steht vor der Tür und das Jahr neigt sich seinem Ende zu. Für viele Menschen eine Zeit der besinnlichen Einkehr, Familientreffen, üppigen Mahlzeiten und seeligem Nichtstun. Doch die Zeit "zwischen den Jahren" lässt sich auch anders gestalten! Seit 2010 lädt die britische Rennrad-Bekleidungsmarke Rapha Sportler auf der ganzen Welt zu einer einigartigen Challenge ein: Fahre in acht Tagen, zwischen dem 24. und 31. Dezember, 500 km mit dem Fahrrad!

Klingt verrückt? Ist es auch!
Ich habe mich der Herausforderung dennoch gestellt …

Spiro-Ergometrie beim Kardiologen

Vorbereitung:

Doch kurz bevor es losgehen sollte, hatte ich noch einen Termin beim Kardiologen zum Leistungscheck: Auf einer stetig ansteigenden Rampe solange fahren bis der Körper nicht mehr weitermachen kann.

Die Ergebnisse machten Mut: 332 Watt Leistung bei einem VO2max von 43ml/min/kg. Bestätigt, dass mein Training im vergangenen Jahr gut war, durfte ich zuversichtlich sein, diese Challenge zu schaffen.

Tag #1 - Vor dem Sonnenaufgang geht es los.

Tag #1 - 79,1 km, 244 hm

Am Heiligen Abend hat man meist anderes zu tun, als stundenlang auf dem Rad zu sitzen – Baum schmücken, Geschenke einpacken und das Essen vorbereiten. Um das Alles unter einen Hut zu kriegen, geht es bereits vor Sonnenaufgang los. Der Müdigkeit trotzend mache ich mich im Dunkeln auf den Weg, die ersten Kilometer abzureißen.

Tag #1 - Winterausfahrten sind meist kalt, nass und einsam.

Winterausfahrten sind meist kalt, nass und einsam. Auch der Morgen des 24. Dezembers zeigte sich von dieser Seite. Die Straßen sind wie leer gefegt und auch die Fährstelle Langel am Rhein liegt verlassen – nur von einem Schwarm Möven bevölkert.

Tag #2 - Bei Leverkusen über die marode Rhein-Brücke ins Bergische

Tag #2 - 60,6 km, 350 hm

Der erste Weihnachtstag sollte der Famile gewidmet sein, deshalb hatte ich mir eine leichtere Tour mit nur etwas mehr Höhenmeter ausgesucht. Nach einem schönen Frühstück führte mich meine Route den Rhein hinunter, an den Ford-Werken vorbei bis zur Leverkusener Rheinbrücke. Von dort aus ging es auf die andere Seite ins Bergischen Land in bekannte MTB-Gefilde.

Tag #2 - Anfahrt zum Gut Landscheid im Bergischen Land

Das Bergische Land bietet einfach alles, was das Radfahrer-Herz begehrt: knackige Anstiege, schnelle Abfahrten und herrliche Ausblicke über das hügelige Land mit seinen stillen Tälern. Meine Tour führte mich über die bekannte Serpentien-Abfahrt von Blecher hinunter nach Altenberg und von dort über Odenthal zurück nach Köln.

Tag #3 - Mit viel Gegenwind bis in die Voreifel

Tag # 3 - 101,7 km, 330 hm

Für den dritten Tag hatte ich mehr Zeit und daher eine Fahrt über 100km eingeplant. Das Wetter versprach sogar mit ein paar wenigen Sonnenstunden beste Voraussetzung hierfür. Dem Streckenverlauf einer RTF folgend machte ich mich am Vormittag auf den Weg in die Voreifel.

Tag #3 - Der Rückenwind schob auch die Wolken zurück nach Köln

In der weiten Ebene hinter Hürth stellte sich mir jedoch ein mächtiger Gegenwind in den Weg. Über eine Stunden kämpfte ich gegen die Sturmböen. Die Beine brannten und die Monotonie der baumarmen Gegend bot selbst dem Auge wenig Trost. Erste Zweifel kamen in mir auf: Werde ich das Pensum schaffen oder machen die Beine schlapp?

Erst bei Euskirchen konnte ich den Rückweg antreten. Der nun einsetzende Rückenwind war mehr als willkommen, schob jedoch auch die Wolken zurück nach Köln.

Tag #4 - Die Wolkenfabrik von Niederaußem ist eine weithin sichtbare Landmarke

Tag #4 - 62,6 km, 215 hm

Nach der anstrengenden Tour am Vortag hatte sich zum Glück meinem Freund und Trainingspartner aus dem Urlaub zurück gemeldet und angeboten mich auf der nächsten Tour zu begleiten. Das gab mir genügend Motivation mich wieder aufzurappeln. Wieder machten wir uns vor Sonnenaufgang am frühen Morgen auf den Weg.

Tag #4 - Ein nass-kalter Morgen auf den Feldern hinter Stommeln

Unser Plan eine lange 120 km Tour zu fahren und damit einen guten Vorsprung zu erarbeiten, wurde jedoch gleich nach wenigen Kilometern gestrichen. Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt und meine - nach 240 gefahrenen Kilometern - schweren Beine machte es schon nicht leicht. Doch eine sich ankündigende Magen-Darm-Infektion machte die Weiterfahrt für meinen Kumpel unmöglich. Wir kürzten ab und rollten so schnell es ging nach Hause.

Immerhin hatten wir das Tagessoll von 62,5 km und ich mehr als die Hälfte der Challenge geschafft.

Tag #5 - Die Rheinbrücke bei Leverkusen

Tag #5 - 95,2 km, 132 hm

Mit Blick auf die Wettervorhersage und das Endziel vor Augen brauchte ich eine längere Ausfahrt - auch um den verkorksten Vortag auszugleichen. Diesmal sollte es eine flache Etappe werden: den Rhein entlang nach Düsseldorf und zurück.

Tag #5 - Der Szeneladen Schicke Mütze in Düsseldorf

Der Radsport Szeneladen "Schicke Mütze" in Düsseldorf war zwar leider geschlossenen, dennoch stattete ich ihm einen kurzen Besuch ab.

Tag #5 - Capucchino und Schoko-Croissant zur Stärkung

Anschließend stärkte ich mich in einem Café an der Ecke mit Capucchino und Schoko-Croissant für die Rückfahrt. Der starke Westwind machte sich zwar auf der Hin- noch auf der Rückfahrt unangenehm durch Seitenböen bemerkbar, doch ich ließ mich nicht beirren und spulte einfach mein Programm ab.

Tag #6 - Frostiges Morgengrauen bei Brauweiler

Tag #6 - 58,1 km, 213 hm

Es ist ein eiskalter Morgen als ich mich um 8:00 Uhr auf den Weg mache meinen, von der Infektion genessenen Kumpel abzuholen. Die ersten Kilometer liefen gut, doch die Rampe von Königsdorf fühlte sich wie die Alpen an. Müdigkeit, Erschöpfung und die Minusgrade zerrten mit vereinigten Kräften an meiner Moral. Nun hieß es: Durchhalten und die noch zur Verfügung stehenden Kräften gut einteilen.

Tag #6 - Das Braunkohlekraftwerk Niederaußem in der kalten Morgensonne

Doch auch die, von der Morgensonne entzündeten leuchtenden Farben konnten nicht über die klirrende Kälte des Morgens hinwegtäuschen. Durch die Anstrengungen der letzten Tage ist die Müdigkeit so groß, dass die Kälte und Nässe extrem wahrgenommen werden. Längst ist die Challenge zur Prüfung geworden.

Doch das Meiste ist geschafft und das Ziel ist nun fast greifbar vor Augen!

Tag #7 - Das Pavet vor dem Bensberger Schloss

Tag #7 - 47,3 km, 115 hm

In den frühen Morgenstunden setzt der Regen ein … doch wir reden uns ein, dass es ab 10:00 trocken sein wird. Als ich wach werde fühle ich mich steif und hart, wie ein altes Baquette-Brot. Schnell einen Kaffee gekocht und Nahrung in den Körper geschoben.

Es regnet … doch die Euphorie es - fast - geschafft zu haben lässt das Wasser an uns abperlen. Erst nach dem harten Pavet Aufstieg hoch zum Bensberger Schloss merke ich, wie das Wasser bereits in meinen Schuhen steht.

Tag #7 - Fototermin an der Schmitzebud, dem legendären Radfahrertreff in Rath.

Die letzten Kilometer haben wir dann noch mal richtig genossen: mit viel Elan und Erinnerungen an alte Zeiten nach Forsbach und von dort mit Tempobolzen zum Fototermin an der Schmitzebud, dem legendären Radfahrertreff in Rath.

Tag #7 - Mit Blick auf den Dom über die Ziellinie

Was für ein Abschluss:
Mit Blick auf den Dom über die Ziellinie!

Vergessen sind die Strapazen, die Nässe und Kälte … Alles was nun zählt, ist die Gewißheit es geschafft zu haben: 504 km in 20 Stunden 47 Minuten.

Meine Touren im Überblick

Strava Badge

Fazit:

Festive 500, in 8 Tagen 500 km Radfahren … was zunächst wie eine verrückte Sportler-Wette klingt, entpuppte sich als Bewährungsprobe: Sich gegen den inneren Schweinehund und widrigste Wetterverhältnisse stellen und weit aus der Komfortzone heraustreten.

Man nimmt diese Prüfung sicherlich nicht nur für das bunte Finisher-Abzeichen auf sich!
Man macht es, um das vergangene Sportjahr zu krönen und das Fundament der kommenden Saison zu festigen.

Die Challenge verlangt dir Einiges ab, gibt aber auch Vieles zurück.
Was bleibt ist, der Stolz es geschafft zu haben, viele tolle Erinnerungen und Zuversicht für das kommende Jahr.

Hier geht es zu meinem Strava Profil.